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„Geschichte der Juden im Bergischen Land“

Gut besuchter Vortrag von Dr. Ulrike Schrader im Radevormwalder Foyer am 17. Mai  - Bürgermeister Dr. Josef Korsten und Bürgermeisterkandidatin Erni Huckenbeck unter den hochkarätigen Gästen.

„Ich bin sehr zufrieden“, mit diesen Worten resümierte der Vorsitzende der Bergischen Zeitgeschichte (BZG) Wolfgang Völkel den mit über 70 Zuhören gut besuchten Vortrag "Die Geschichte der Juden im Bergischen Land". Dr. Ulrike Schrader thematisierte am 17. Mai 2004 im Foyer am Schlossmacherplatz in Radevormwald das meistens beschwerliche Leben von Menschen jüdischen Glaubens in der Region des bergischen Städtedreiecks.

Zeigte man sich vor Beginn ob des guten „Biergartenwetters“ bei den vielen Helfern des Vereins skeptisch über die zu erwartende Resonanz, wurde man im weiteren Verlauf der Veranstaltung angenehm überrascht. Und der Vortrag hatte es verdient, konnte man doch mit Dr. Ulrike Schrader die Leiterin der Begegnungsstätte „Alte Synagoge Wuppertal“ - ein Gedenk- und Bildungsort zur Geschichte der Juden im Bergischen Land, zum Nationalsozialismus und Holocaust – gewinnen. Seit 1994 führt sie Informationsveranstaltungen zu diesem sensiblen Thema durch, Dauerausstellungen in Wuppertal ergänzen anschaulich das Leben der Menschen. Interessanter Nebenaspekt: Man verfügt über eine umfangreiche Dokumentensammlung zur Geschichte der Juden, um so die Erinnerung an vergangenes Grauen festzuhalten, aber auch um jetzigen und zukünftigen Forscher zu unterstützen.

Als Gäste konnte die Bergische Zeitgeschichte unter anderem den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Wuppertal Leonid Goldberg, Bürgermeister Dr. Josef Korsten und die Bürgermeisterkandidatin der CDU Erni Huckenbeck begrüßen. Der Verein, dessen Zweck die Dokumentation der Regionalgeschichte der drei bergischen Kleinstätte Radevormwald, Hückeswagen und Wermelskirchen ist, musste jedoch im Laufe des Vortrags erfahren, dass es dort gar kein jüdisches Gemeindeleben im eigentlichen Sinne gab. Dr. Ulrike Schrader: "Die Angaben und Quellen über Juden dieser drei Städte schwanken zwischen ein und zwei Personen! Wenn sie hier gewesen sind, dann nur als Handelsreisende auf der Durchfahrt." Im Gegensatz dazu gab es in Wuppertal eine größere Gemeinde, die heute wieder 2.200 Mitglieder zählt und sich weiter im Wachstum befindet. Trotzdem: Im Bergischen scheint die Quellenlage besonders schwierig zu sein, denn nur wenige Dokumente weisen darauf hin, dass es bereits vor dem Jahr 1800 Juden in unserer Region gegeben hat. Erst mit dem Zusammentreffen der politischen Emanzipation der Juden und der Industrialisierung wird das anders: Juden durften sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts frei im Bergischen Land niederlassen, und die aufblühenden Städte ermöglichen vielen zugewanderten Menschen - nicht nur Juden - wirtschaftlichen Erfolg in Industrie und Handel. Rund zwei Drittel der jüdischen Bevölkerung aber wurden in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet, nur ein Drittel konnte entkommen oder überlebte im Versteck. Dem gut neunzigminütigen Vortrag schloss sich eine Fragerunde an, bei der vor allem bei den jüngeren Besuchern das Thema "Antisemitismus" in den Mittelpunkt rückte. Auch Dr. Korsten wollte in seiner Eigenschaft als politisch verantwortlich Handelnder wissen, ob die Ressentiments und Feindseligkeiten in Wuppertal zu spüren sind. Dr. Ulrike Schrader: "Das Bergische Land ist sicherlich keine Hochburg der Judenfeindlichkeit. Außerdem muss man unterscheiden: Es gibt eine Art des Antisemitismus, gegen den ist kein Kraut gewachsen, viele Vorurteile lassen sich aber dennoch durch Informations- und Aufklärungsarbeit beseitigen.