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Bergische Hymne

Wo die Männer noch rauchen,
die Frau sich noch schminkt,
das Kinde im Schulchor das Heimatlied singt,
wo die Menschen sich gerne Geschichten erzähl´n,
statt dauernd Computer und Handys zu quäl´n.
Wo die Jungen zufrieden, die Alten entspannt,
:da ist meine Heimat, mein Bergisches Land:

Wo´s gibt Messer und Scheren für jeden Bedarf,
in Solingen mag man es rostfrei und scharf,
wo der Kaffee mit Waffeln und Sahne versüßt,
so mancher hat seine Figur eingebüßt.
Wo jeder mit jedem vertraut und bekannt,
:da ist meine Heimat, mein Bergisches Land:

Wo die Brücke von Müngsten im Bogen gebaut,
und alles ein bisschen wie früher ausschaut,
wo die Wupper die Landschaft mit gurgeln durchfließt,
der Regen sich meistens in Strömen ergießt,
wo die Läden der Fenster sind grün und charmant,
:da ist meine Heimat, mein Bergisches Land:

Wo die Schwebebahn gleitet mit rostigem Klang,
den Menschen im Tal ein vertrauter Gesang,
wo die Nachbarn sich helfen wenn Not ist am Mann,(auch an einer Frau)
weil einem ja schon mal das Bier ausgeh´n kann
wo im Schatten der Kneipe die Wiege mir stand,
:da ist meine Heimat, mein Bergisches Land:

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Text: Ekkehard “Ede” Wolff

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Fotos: WDR, R. Vesper


"Eine echte Schatzkiste"

BZG erhält historischen Koffer

Als einen "Herbst voller Zufälle" bezeichnete BZG-Vorsitzender Uwe Engelbracht die letzten Wochen – und als Ergebnis konnte die Bergische Zeitgeschichte jetzt einen der Koffer entgegennehmen, mit denen Kurt Wohl, jüdischer Arzt aus Wermelskirchen, und seine Frau Kläre im Jahr 1957 aus dem Exil in Indonesien zurückgekehrt sind.

Zunächst hatte BZG-Mitglied Armin Himmelrath auf einem Straßenfest in Köln den Maler Hartmut Zänder kennen gelernt. Beim Gespräch kam heraus, dass Hartmut Zänder in seiner Kindheit oft in Wermelskirchen gewesen war, und zwar zu Besuch bei seiner Großtante Kläre und deren Mann – genau jenem Arztehepaar, das in der NS-Zeit wegen der jüdischen Herkunft von Kurt Wohl heftigster rassistischer Verfolgung ausgesetzt gewesen war. 1940 war Wohl aus Deutschland geflohen, seine Verlobte Kläre wollte später nachkommen, wurde jedoch verhaftet und verbrachte mehrere Jahre im KZ. Erst 1948 sahen sie sich in Niederländisch-Indien wieder, heirateten und kehrten schließlich im Mai 1957 nach Wermelskirchen zurück.

Ihren Lebensabend verbrachten sie in der vormaligen Dürholdt'schen Villa an der Dabringhauser Straße. Die war in städtischem Besitz, und nach dem Tod der Wohls blieb auf dem Dachboden ein Koffer zurück. Den übernahm irgendwann eine polnischstämmige Familie, die von der Verwaltung hier einquartiert wurde – und die später an die Wustbacher Straße umzog. Der Koffer landete wiederum auf dem Dachboden, wurde jahrelang vergessen und sollte dann vor knapp zwei Jahren endgültig auf dem Sperrmüll entsorgt werden. Dort entdeckte ihn Susanne Herziger-Massey – und nahm das historische Stück mit an ihren Arbeitsplatz in den Kindergarten Heisterbusch, wo der Koffer seither als Schatzkiste und Aufbewahrungstruhe eingesetzt wurde.

Bis er Anfang Oktober von der Evangelischen Kirchengemeinde für den Erntedankgottesdienst ausgeliehen wurde, wo Kantor Johannes Meyer auf die Aufschrift "Dr. Wohl, Wermelkirchen, Duitsland" aufmerksam wurde und sofort BZG-Mitglied Rosemarie Fischer informierte. Die meldete sich beim Vorstand, eine Ersatz-Schatzkiste für den Kindergarten wurde organisiert, und so konnte Mitte November der Koffer von Kurt und Kläre Wohl an die BZG übergeben werden – im Beisein aller Beteiligter. Auch Großneffe Hartmut Zänder war dafür nach Wermelskirchen gekommen, zeigte alte Fotoalben und Briefe der Wohls und erzählte den Kindergartenkindern von den früheren Besitzern. Zänder will sein Material der BZG zur weiteren Auswertung überlassen, und Uwe Engelbracht zeigte sich tief bewegt: "Dieser Koffer ist eine echte Schatzkiste für historisch Interessierte!"

Armin Himmelrath

Uwe Engelbracht bei der Übergabe des Koffers

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